Category: Bücher

Rezension zu “Burka” von Eva Schwingheuer

author | 12. August 2009

Kathrin und Silvia haben eine sehr detaillierte Rezension zum Comic-Buch “Burka” von Eva Schwingenheuer geschrieben. Sehr lesenswert sind dabei auch die Analysen der Aussagen von Schwingheuer in Interviews zum Buch. Daneben bieten auch die (dringend nötigen) Ausführungen zu kolonialen Hintergründen der Auseinandersetzung um das muslimische Kopftuch viele interessante Informationen. Lesebefehl!

Warum tötest du, Zaid? – erste Eindrücke

author | 25. März 2008

Nachdem Kathrin nun das Buch durchgelesen hat und eine Rezension soweit abgearbeitet hat, darf ich mir das Buch “Warum tötest du, Zaid” von Jürgen Todenhöfer schnappen und habe die ersten paar Seiten gelesen. Noch bin ich mitten in der Geschichte vom jungen Iraker Zaid und wie ihn Herr Todenhöfer im Irak trifft und zum Interviewtwerden bewegt.

Der junge Zaid ist Widerstandskämpfer im Irak – und nicht Terrorist! Diese Unterscheidung ist eigentlich trivial, denn bei einer Besatzung wird es immer Freiheitskämpfer geben und daneben gibt es heutzutage politisch gesondert motivierte Terroristen, die im Falle des Iraks sogar zum größten Teil aus dem Ausland kommen. Es ist trotzdem beruhigend, dass der Author auch diesen Aspekt nicht unerwähnt lässt, da sich bei einigen Zeitgenossen der Eindruck erhärtet hat1, dass alle Gegner der US-Politik per se Terroristen sind.

Selbstverständlich

Auch in den 10 Thesen, die Jürgen Todenhöfer aufstellt und die online nachzulesen sind, sind vor allem trivial nachvollziehbare Tatsachen aufgelistet. Er trägt sie trotzdem so nüchtern wie möglich vor und erklärt und belegt sie einzeln.

Angesichts der Kriegspolitik des Westens ist es nicht wirklich erstaunlich, dass muslimische Extremisten immer mehr Zulauf bekommen.

Volker Pispers sagt dazu immer:

Sie wundern sich, dass sie Bomben untern Arsch gelegt kriegen. Wann fangen sie an sich zu wundern, warum sie so wenig Bomben unter den Arsch gelegt kriegen?

Es ist beeindruckend, wie weit Jürgen Todenhöfer gegangen ist, um dieses Buch zu verfassen und seine Quellen nachzurecherchieren. Das Buch ist aber trotz der Unlängen an Quellenzitaten keine reine Dokumentation der Zeitgeschichte2, sondern vor allem vermittelt es dem Leser die Stimmungslage der einzelnen Betroffenen.

Den viel modernen Gasofen, der daneben3, können sie nicht mehr benutzen. Der Inhalt einer etwa 60 Zentimeter hohen Gasflasche, der zu Zeiten Saddam Husseins 12 Cent gekostet hat, schlägt jetzt mit 20 Dollar zu Buche. Das kann sich Abu Saeed, wie die meisten Einwohner Ramadis, nicht leisten. Ein Land, das auf Öl schwimmt, kann seine eigene Bevölkerung nicht mehr mit Energie versorgen.

Den selbst gebauten Lehmofen nennen die Frauen sarkastisch »Bush-Ofen«. “Danke, Mister Bush”, sagt eine der Frauend lachend, “wir wollten schon immer einmal wissen, wie man im Mittelalter gekocht hat.”

Reaktionen – bisher

Das Buch hat bislang schon recht viele Reaktionen ausgelöst. Jürgen Todenhöfer hat dazu nicht zuletzt neben der Webseite auch drei Seiten in drei zentralen Zeitungen – der New York Times, der Frankfurter Allgemeinen und der Al-Quds Al-Arabia – geschaltet. Im Internet finden sich verschiedene Blog- und Massenmedienreaktionen, von denen einige auf der offiziellen Seiten zum Buch verlinkt sind. Hier einige weitere:

  • Claudia Troßmann:

    Ich empfehle die zehn Thesen Todenhöfers, um nachvollziehen zu können, was nicht erst seit gestern Tod und Elend über Abermillionen Menschen bringt.

  • Horst Schulte:

    Mich würde interessieren, welche Antwort die Kämpfer gegen den Untergang des Abendlandes haben, wenn sie sich das ansehen, anhören oder durchlesen, was Dr. Jürgen Todenhöfer zum Stand des Terrorismus in unserer Welt zu sagen hat.

  • Totengräber der US-Kriegspropaganda:

    Wer will schon die Wahrheit wissen?

    Alle die ungern ihre Heileweltdenke durcheinander bringen wollen, sollten “Warum tötest du, Zaid?” nicht lesen und sollten auch nicht die WebSite zum Buch besuchen.

  • Tivoli-Blog.
  • Marco Feindler:

    Warum eigentlich hat kein hochrangiger Politiker oder Kandidat diesen Mann als Berater verpflichtet? Repräsentiert Todenhöfer mit solchen Aussagen nicht die Ansicht eines beträchtlichen Teils der (deutschen) Bevölkerung?

    sehr gute Frage!

Eine der überraschendsten Rezensionen über das Buch “Warum tötest du, Zaid?” ist im Blatt Frankfurter Allgemeine Zeitung von Nils Minkmar erschienen. Der Anfang des Artikels stellt bereits die wichtigsten Fragen:

Vorbereitung eines Angriffskrieges. Jeder Schüler kennt diesen Anklagepunkt des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals. Jeder Fernsehzuschauer weiß, dass der Krieg gegen den Irak ein Angriffskrieg war. Dennoch gibt es kein Tribunal, keine Angeklagten, kein Verfahren.

Die Würde des Menschen ist unantastbar, weiß jeder. Dennoch ist es schon in der Berichterstattung ein Unterschied, ob ein Deutscher, ein Europäer, ein Amerikaner ums Leben kommt oder ein Araber – im letzten Fall erfahren wir nicht mal den Namen des Opfers. Schließlich ist der Mehrheit längst klar, was von den Argumenten für den Irakkrieg zu halten ist, der erschütternde Film „Leading to War“, kostenlos einsehbar auf der gleichnamigen Website, kommt daher völlig ohne Kommentar aus. Der Krieg tobt ohne Berechtigung, aber nicht weniger heftig.

Wie in den Kommentaren so auch in Blogs sind einige ob dieses FAZ-untypischen Artikels bestürzt. Über die Anfangssätze des FAZ-Artikels schreibt “weissgarnix”:

Ich mußte diese Sätze ein paar mal lesen, um schliesslich glauben zu können, was da stand. Und um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: natürlich ist das so, und natürlich wissen wir das auch alle, mich eingeschlossen. Aber ich kann mich nicht erinnern, ähnliches in dieser prägnanten Form und Ausdrucksstärke auch nur ein einziges mal früher irgendwo gelesen zu haben. Ich bin zwar sicher, dass Blätter wie die taz in vergleichbarem ductus gegen den Irakkrieg geschrieben haben. Aber die großen, überregionalen Zeitungen? Da stand meist nur verklausulierte Kritik, mit einer Menge Fragezeichen nach jedem Satz, wie etwa “Hat dieser Krieg eine Berechtigung?” oder “ist er gar völkerrechtswidrig?” und dergleichen mehr.

Auch in den USA wird das Buch schon langsam besprochen, auch wenn es (noch) nicht übersetzt ist..

  • Unter der Überschrift German Buys 3 Pages of NY Times to Explain War to Americans werden in den USA vor allem die Anzeigen in der New York Times besprochen.
  • Hier ein Kommentar darauf: Yank in London:

    German writer and media executive Jürgen Todenhöfer has taken out three full page ads in the New York Times, as well as in Allgemeine Zeitung and the Al-Quds Al-Arabi to teach Americans and the west about the impacts of their wars on the Muslim world in Ten Theses. I am certain that the reaction from the American right with be muted, thoughtful and vitriol free.

  • Hier ist ein weiterer aus den USA, der sich in die Thesen von Todenhöfer vernarrt hat:

    I have been reading these theses much of the evening. The theses are summarized at this link, with a breakout of each.

    There is a distinctly foul odor in my nostrils just considering that in order to get this information before the US public, he has to purchase ad space in one of our national newspapers. Jürgen Todenhöfer is the kind of person whose message should be a part of balanced reporting.

  • Great Thesis by Jurgen Todenhöfer

Ich wünsche mir, dass das Buch einigen Zeitgenossen den Verstand (und das Herz öffnet), auf dass sie sehen, welches Leid diese “anderen” Menschen erleiden.

  1. auf der Grundlage der gängigen Berichterstattung[]
  2. die Fußzeilen sind – anders als hier – sehr dezent und im Anhang zusammengestellt[]
  3. neben dem Holz befeuerten Lehmofen[]

Artikel des Tages

author | 9. Februar 2008

  • Eine Rezension des Buchs “Die Geschichte der Israeli und der Palästinenser” von Noah Flug und Martin Schäuble: Arnold Hottinger, Ungestellte Fragen und verschwiegene Fakten:

    Niemand spricht in dem Buch von den Landenteignungen (die von den Palästinensern Landraub genannt werden) oder von den Strassensperren, die bewirkt haben, dass die gesamte palästinensische Wirtschaft zusammenbrach und die Palästinenser Hunger leiden. Die illegalen jüdischen Siedlungen und ihre bewaffneten und gewalttätigen Bewohner kommen so wenig zu Wort wie der Verlauf der Sperrmauer. Dies sind für die Palästinenser heute drängende Themen. Sie sprechen davon und klagen darüber – aber nicht auf den Seiten dieses Buchs, das von einem deutschen Journalisten und einem Israeli verfasst wurde. Um beiden Seiten gerecht zu werden, hätte an dem Buch auch ein Palästinenser mitwirken müssen, der in der Lage ist, die Erfahrungen seines Volks zu vermitteln.

  • Das scheint zu einem pawlowschen Effekt bei Henryk M Broder zu werden. Kaum hatte der Erzbischof von Canterbury vorgeschlagen, Muslime sollten bei Ehe- und ähnlichen Angelegenheiten muslimische Gerichte zu Rate ziehen, da ergoss sich auch schon der Schwall aus Unwissenheit aus der Feder von Broder:

    Rein sachlich, auf der faktischen Ebene, mag der Erzbischof sogar Recht haben. Es würde tatsächlich helfen, soziale Spannungen zu vermeiden, wenn die Muslime bei Heirat und Scheidung nicht die Regeln des britischen Rechts beachten müssten. Auch einigen Nicht-Muslimen käme so eine Option sehr gelegen. Eine “Ehe auf Zeit”, wie sie nach der Scharia möglich ist, hat ganz gewiss viele Vorteile, vor allem, wenn sie nur auf ein paar Stunden oder ein paar Tage geschlossen wird.

    “Ehe auf Zeit”?? Dieses Konzept gibt es nur in einer Minderheitsmeinung innerhalb des schiitischen Islams (etwa 20% der Gesamtmuslime)! Wie Broder darauf kommt, das sei “nach der Scharia möglich”, kann nicht weiter geklärt werden. Er führt weiter aus:

    Die Scharia regelt das ganze Leben, wer sie nur in Teilen übernehmen will, hat von der Zwangsläufigkeit, die ihr innewohnt, keine Ahnung. Es ist, als würde man in einem Freibad das Nacktbaden unter der Bedingung erlauben, dass jeder Besucher darüber entscheiden darf, welches Kleidungsstück er ablegen mag.

    Unabhängig davon, dass das vorgebrachte Beispiel tatsächlich realistisch ist1, ist eines schon sehr bemerkenswert: eigenes Recht für religiöse Minderheiten ist es im klassischen Verständnis der “Scharia” inkooperiert! Anders: Ein Erbe des damaligen “islamischen Staates” z.B. in Ägypten oder Syrien sind die religiösen Sonderregelungen für Christen und Juden in personenrechtlichen Angelegenheiten! Dort (!) feiern Christen zweimal im Jahr Weihnachten und das ganze Land mit ihnen (24. Dez. und 7. Jan.)! On the plus side: Wem Broder fehlende Ahnung vorwirft, dürfte recht viel Ahnung haben!

  1. warum sollte es so schwierig sein, diese Freiheit zu lassen[]

Welttag des Buches

author | 23. April 2006

Heute ist der Welttag des Buches. Das wusste ich bis eben gerade nicht. Dafür habe ich mir aber rein zufällig am Freitag das Buch “Darwin und die Götter der Scheibenwelt” von Terry Pratchett gekauft. Ich musste es auf Deutsch kaufen, da die Taschenbuchversion im Englischen noch nicht erschienen ist – wohl aber im Deutschen!

Auf tagesschau.de gibt es ein Interview bezüglich der unterschiedlichen Lesebereitschaft von Jungen und Mädchen.

tagesschau.de: Pisa hat belegt, dass Jungen weniger lesen als Mädchen. Warum ist Lesen bei Jungs so wenig populär?

Frank Maria Reifenberg: Das ist relativ einfach: Lesen ist “Mädchenkram” – das passt nicht zu ihrem Rollenbild. Das ist einer der ganz wichtigen Gründe, warum Jungen weniger lesen. Sie können es allerdings auch schlechter als Mädchen.

Zwei Gründe kristallisieren sich heraus für die unterschiedliche Haltung gegenüber Lesen:

  1. Jungen verwenden beim Lesen nur die linke Hälfte ihres Gehirns, während Mädchen das gesamte Gehirn benutzen.
  2. Für Jungen ist Lesen nicht hipp, bzw. Lesen wird von Jungen als mädchenhaft empfunden.

Vor allem den zweiten Grund erklärt Herr Reifenberg recht gut im Interview. Am besten selber lesen. Eines ist mir allerdings aufgefallen:

tagesschau.de: Lesen denn auch bei den Erwachsenen mehr Frauen als Männer?

Reifenberg: Ja, im belletristischen Bereich eindeutig, und sie lesen auch anders. Bei Männern stehen deutlich mehr Sachbücher im Regal, und es gibt viele Männer, die seit der Schulzeit in ihrem ganzen Leben keinen Roman mehr lesen.

Ist das so schlimm?

Ausserdem im Dossier: Schmeicheleien für den politischen Gegner – wie Politiker verschiedener Couleur gegenseitig Bücher politischer Gegner rezensieren und durchaus “zustimmungswürdiges” darin finden.

Necla Kelek kann nichts dafür

author | 17. März 2006

Wer wundert sich da? Frau Kelek bedient wieder einmal mit ihrem neuen Buch ein bestimmtes Klientel. Aus der Unkultur

Kelek erklärt Probleme einer sozialen Schicht für typisch muslimisch. Wenn sie dazu immer wieder versichert, daß niemandem die Verantwortung für das eigene Leben abgenommen werden kann, entläßt sie die Politik aus der Verantwortung. Deshalb hat sie hier so viele Freunde. »Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten«, spottet der Tempelherr in Lessings »Nathan der Weise«.

Man sollte nun aber nicht in erster Linie die Autorin angreifen, erklärte der Migrationsforscher Werner Schiffauer während der Diskussion am Mittwoch, sondern die hiesige Öffentlichkeit. Die Deutschen nämlich hätten nur auf jemanden wie Kelek gewartet, der all das bestätigt, was sie schon immer über Muslime gedacht haben.

Und was eben nicht passt, wird passend gemacht. Während das normale Stereotyp das einer starken familiären Bindung in muslimischen Familien ist, kann dieses in diesem Zusammenhang nicht herhalten und schwups gibt es eine neue These: Muslimische Männer haben selten eine Kindheit! Und wie ist sie darauf gekommen?

Denn wie beim Vorgänger ist die empirische Basis der Publikation äußerst dünn: Kelek hat ausschließlich türkischstämmige Häftlinge interviewt. Auf ihre erste Frage habe jeder dieser Häftlinge erwidert, er habe keine Kindheit gehabt. Als Ursache sieht die Autorin »archaische Stammestraditionen«. Sind also altgermanische Stammestraditionen an der verkorksten Kindheit deutscher Häftlinge schuld?

Bravo Frau Kelek! Und hier nun eine ‘Vorhersage’: Die Verteidiger des neuen Buchs von Frau Kelek werden u.a. eine Schwarzer, Alice, ein Raddatz, Hans-Peter und sämtliche aus der rechtsextremen Szene sein. Ausserdem wird die NPD in den anstehenden Wahlkämpfen sich der “Ergebnisse” Frau Keleks bedienen.

Enemy Combatant – A British Muslim’s Journey To Guantanamo And Back

author | 12. März 2006

Enemy Combatant openDemocracy.net führte ein Interview mit Moazzam Begg, der seit drei Jahren ohne Prozess in US-Gefangenschaft verweilt, die meiste Zeit davon auf Guantanamo. Er hat nun ein Buch geschrieben “Enemy Combatant – A British Muslim’s Journey To Guantanamo And Back”. Darin beschreibt Begg nicht nur seine Zeit in Gefangenschaft angefangen bei der Gefangennahme in Pakistan Januar 2002 und die anschliessende Überweisung nach Bagram bis hin zu seinem Aufenthalt in Guantanamo Bay, den er zum grössten Teil in Einzelhaft verbringen musste, sondern auch seine Erlebnisse im multikulturellen England, das er kennt.

Wenn das Buch nur halb so interessant ist, wie das Interview mit Herrn Beggs, dann verspricht es, einen Einblick in einen Teil der Epoche, in der wir leben, den wir aber nicht wahrzunehmen bereit sind. Guantanamo steht nun lange genug und der Widerstand gegen diese Art der zufälligen Inhaftierung, der Praxis der Nichtanklage für eine so lange Zeit und natürlich der Folter, die sehr viele der Inhaftierten über sich ergehen lassen mussten, kann nur als milde bezeichnet werden. Wir schulden den Insassen solcher Gefängnisse mehr, als wir je hergeben könnten.

Interessant finde ich die Art, mit der Moazzam Begg versucht, fair zu bleiben und nicht – wie er betont – alle Amerikaner über einen Kamm zu scheren – trotz des Unrechts das ihm im Namen der amerikanischen Bürger angerichtet wurde! Eine klare Absage erteilt er damit in meinen Augen den Kulturkampf-Verfächtern. Bezüglich der in der rechtspopulistischen Zeitung Jyllands-Posten erschienen Karikaturen führt er an:

“Caricatures can do a great deal. In Bagram, the guards made orange t-shirts depicting the prisoners as slaves in chains. In Guantánamo, they drew pictures of us as rats. That’s all fine and dandy until someone dies. I saw two prisoners beaten to death at Bagram, and the caricatures were all part of the dehumanisation process.”

Gleichzeitig lobt er die britische Presse für ihre Haltung. Britische Medien haben mehrheitlich den direkten Abdruck der Hasskarikaturen verweigert.

“Actually, the press response has been a credit to this country. Apart from the initial protests, where there were certainly overreactions by some Muslims, there has been a great deal of respect between the Muslim community and the press.”

Oft genug wurde die Frage gestellt “warum hassen sie uns?”, wenn sich mal wieder ein Anschlag irgendwo ereignete. Orientalisten und Islamophoben wie Rolf Stolz und Hans-Peter Raddatz (nur um zwei Beispiel zu nennen) haben uns stets die Antwort gegeben, es läge am Islam. Hassprediger seien es, die die Menschen in Moscheen und mit uns fremden Sprachen anstachelten und ihnen vermittelten, dass ‘der Westen’ ihr Feind wäre. Die Aussage war selbst vor den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 nicht anders. Unterschlagen werden Ausbeutung oder nicht rechtfertigbare Angriffskriege – wie der, den wir demnächst führen werden – und menschenverachtende Massnahmen wie Guantanamo oder Abu Ghraib und andere. Herr Begg hat eine andere Antwort, die sicherlich durch Lesen seines Buchs ersichtlich wird.

What does he hope the book will achieve? “I want to give people an idea about why some people feel strongly about certain things” – a rather diplomatic answer by which he seems to mean, why many Muslims are angry with western policies – “but not to tar everyone with the same brush, as the US is doing, which just incurs more animosity.”

Das Buch “Enemy Combatant”, Moazzam Begg wird es in Kürze sowohl als Taschenbuch, als auch als gebundenes Buch geben.

Tip of the hat an polis.

Necla Kelek schliesst von sich auf andere

author | 24. Februar 2006

… ohne zu zögern! Ohne Frage (zumindest wenn ihre Geschichte ungelogen ist), hat sie eine schwere Vergangenheit, diese bringt sie aber den Tatsachen keinen Schritt näher. Sie versucht sich in einem Interview in der FAZ in der Verknüpfung diverser Thematiken – und scheitert kläglich.

Sie listet die üblichen und ewig alten Formeln auf, die es so gibt: Muslime betrachten offenbar Nichtmuslime als Unrein und verachten sie deshalb, Frauen hätten keinen Wert im Islam, Parallelgesellschaften und der resliche Blah. Interessant fand ich nur, dass sie offensichtlich den blossen friedlichen Protest gegen hassverbreitende ‘Karikaturen’ als faschistisch bezeichnet! Das ist deshalb so interessant, da hier das einseitige Recht auf freie Meinungsäusserung noch weiter überspitzt wird in eine Verleumdung jedweder Person, die eine bestimmte Meinung anfechten möchte. Aber an die eigene Nase fassen, scheint sie auch nicht zu können.

Dann kommt Necla Kelek auf den Artikel der 60 Sozialwissenschaftler zu sprechen, der anfang Februar in der Zeit veröffentlicht wurde (Gerechtigkeit für die Muslime!). Darin greifen Sozialwissenschaftler (u.a. die Autoren Dr. Mark Terkessidis und Prof. Dr. Yasemin Karakasoglu (“Viele Welten leben”)) die Tatsache an, dass politische Interessen im Bezug auf Muslime in letzter Zeit über solche Berichte gerechtfertigt werden, wie sie Necla Kelek, Hirsi Ali und Seyran Ates liefern. Dabei erfüllen diese keinen wissenschaftlichen Standard. Wenn sie also der deutschen Integrationspolitik als Grundlage dienen, wird sich die Lage verschlimmern.

Diese Literatur ist unwissenschaftlich und arbeitet ganz offensichtlich mit unseriösen Mitteln. Necla Kelek beispielsweise hat vor etwa drei Jahren ihre Dissertation zum Thema „Islam und Alltag“ vorgelegt, in der sie zu ganz anderen Ergebnissen kommt als in „Die fremde Braut“. Sie stellte damals fest, dass der Islam für die jungen Leute türkischer Herkunft vor allem ein Mittel der sozialen Identifikation sei – und weniger eine unhinterfragte religiöse Tradition. In den Islamvorstellungen der von ihr interviewten jungen Leute zeige sich eine Modernisierung des Islam – eine Anpassung an die hiesigen Lebensumstände und eine Subjektivierung des Hergebrachten. Dass sie in „Die fremde Braut“ das genaue Gegenteil behauptet, scheint für Necla Kelek kein Problem zu sein. Sie verwendet sogar Interviewmaterial aus ihrer frühren Untersuchung – allerdings wird es nun neu gedeutet.

2002 schrieb sie: „Das Bekenntnis zum Muslim-Sein darf im Regelfall nicht als traditionelle Selbstverortung missverstanden werden“. 2003 werden Interviewaussagen von „Mete“ und „Emil“, die aus der Untersuchung „Islam im Alltag“ stammen, völlig anders interpretiert. Das Menschen- und Weltbild des Islam, das den einzelnen der Gemeinschaft und dem Willen Gottes unterwerfe, werde von den Jugendlichen überhaupt nicht hinterfragt, schreibt sie. Und weiter: „Es kann auch gar nicht infrage gestellt werden, weil der Islam als Gesetzesreligion gottgegeben ist. Dieses Kulturmuster prägt das Handeln der muslimischen Migranten in Deutschland bis in den letzten Winkel ihres Alltags – ihr Leben ihr Verhalten, die Erziehung der Kinder.

Und diese Werte haben mit den Werten und Normen der deutschen Mehrheitsgesellschaft nicht viel gemein.“ Offenbar wurden hier die eigenen – und zwar wissenschaftlich abgesicherten – Erkenntnisse mutwillig verbogen, um am Buchmarkt einen Erfolg zu landen und sich dabei selbst als authentische und vorgeblich wissenschaftlich legitimierte Ansprechpartner zu allem, was mit „den Türken“ oder „dem Islam“ zutun hat, in Szene zu setzten. Das Kalkül geht auf, von der taz bis zur ZEIT wird Kelek gerne konsultiert, wenn es darum geht, „türkische“ oder „islamische“ Verhaltensweisen zu deuten. Sie darf gewalttätige Übergriffe türkischer Fussballnationalspieler gegen die Schweizer Mannschaft unreflektiert auf die islamische Religionszugehörigkeit der türkischen Spieler zurückführen oder Vandalismus von jungen Migranten nach französischem Vorbild mit Hinweis auf das Unvermeidliche der „türkisch-islamischen Kultur“ auch für Deutschland prognostizieren. Dabei sind die „Analysen“ nichts mehr als die Verbreitung billiger Klischees über „den Islam“ und „die Türken“, angereichert durch schwülstige Episoden aus Keleks Familiengeschichte.

Frau Kelek:

Meine Kritiker blenden die soziale Wirklichkeit aus, und aus politischen Gründen lassen sie den Islam und seine Wirkungsmacht außer acht. Aber es gibt andere Forschungsansätze, die durchaus den Nachweis erbringen, warum es einen auffälligen Zusammenhang zwischen islamischer Religiosität und Gewaltbereitschaft bei jungen Türken gibt.

Die politisierung, die sie den Wissenschaftlern unterstellt, ist eigentlich genau das, was sie betreibt. Tatsächlich ist der Zusammenhang zwischen Religiosität und Gewaltbereitschaft nur in der Berichterstattung zu suchen, nicht in der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen. Dafür werde ich im nächsten Artikel einige Beispiele nennen. Übrig bleibt, dass sich Frau Kelek spätestens mit diesem Interview disqualifiziert und klar macht, dass sie weder ihre Vergangenheit noch den Stoff, von dem sie spricht aufgearbeitet hat.

Der Ewige Muslim

author | 10. Dezember 2005

Ein Artikel im taz-Magazin zum Buch “Der Mord an Theo van Gogh.Geschichte einer moralischen Panik” vom niederländischen Bestsellerautor Geert Mak hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht. Darin vergleicht der Autor Theo Van Goghs “Submission” mit dem NS-“Dokumentarfilm” “Der Ewige Jude”.

Tatsächlich werde suggeriert, “dass alle moslemischen Männer ihre Frauen schlagen, indem in den Filmszenen die Misshandlungen immer wieder mit Korantexten unterlegt werden”. Und dann folgt jener Satz, der in den Niederlanden bis heute erregt: Wahrscheinlich unbewusst würde “mit demselben Schema gearbeitet, das von Joseph Goebbels 1940 in seinem berüchtigten Film ,Der ewige Jude’ doppelt verwendet wurde: abstoßende Bilder vom Judentum zu zeigen und daneben – in diesem Fall auch noch fingierte – Zitate aus dem Talmud”. Dieser subtile Propagandatrick funktioniere immer: “Mit dem Fehlverhalten einer Hand voll Menschen stellt man, mithilfe der Konfession, eine ganze Minoritätengruppe an den Pranger.”

Das Buch kommt beim Suhrkamp-Verlag raus, kostet nur 8,- € und wenn es in hoffentlich drei Tagen bei mir ist, kann ich Näheres dazu wiedergeben.